{"id":60,"date":"2017-07-23T16:24:36","date_gmt":"2017-07-23T14:24:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.zukunftsklub.de\/?p=60"},"modified":"2017-10-25T21:54:56","modified_gmt":"2017-10-25T19:54:56","slug":"thema-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.zukunftsklub.de\/index.php\/2017\/07\/23\/thema-2\/","title":{"rendered":"Was bewegt Hamburg?"},"content":{"rendered":"<h2>Welche Trends und Ph\u00e4nomene werden Hamburg bewegen?<\/h2>\n<p>\t\t\t\t\tDemographische Dynamik zwischen Wachstum und Schrumpfung\t\t\t\t<\/p>\n<p>Die Metropolen werden weiter wachsen. Noch vor einigen Jahren galt es als ausgemacht, das Deutschlands Bev\u00f6lkerung ab 2040<br \/>schrumpfen w\u00fcrde \u2013 im l\u00e4ndlichen Raum st\u00e4rker als in den St\u00e4dten. Die Unberechenbarkeit der geopolitischen Situation und eine anhaltende Zuwanderung aus der EU sowie dem globalen S\u00fcden gleichen den Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang inzwischen mehr als aus.<\/p>\n<p>Insbesondere in den St\u00e4dten ist f\u00fcr die n\u00e4chsten 20 Jahre von weiter starker Zuwanderung auszugehen, zumal sich in einzelnen St\u00e4dten die Geburtenraten erholt haben. Insgesamt ist die Stadtbev\u00f6lkerung in Metropolen wie Hamburg und M\u00fcnchen j\u00fcnger geworden \u2013 ein Gegenbild zur vielbeschriebenen Alterung der Gesellschaft. Allerdings ist die neue demographische Dynamik extrem ungleich verteilt: Das Wachstum konzentriert sich auf die Metropolenr\u00e4ume, w\u00e4hrend die meisten l\u00e4ndlichen Regionen von Abwanderung betroffen sind. Und auch in den St\u00e4dten gibt es weiterhin stagnierende Zonen, w\u00e4hrend andere<br \/>Bereiche extrem wachsen.<\/p>\n<p>Auch Hamburg wird weiter wachsen. Insbesondere die Kernstadt-Stadtteile werden anhaltend unter Wachstumsdruck stehen, aber auch die Metrozone wird \u201eurbanisiert\u201c. Und in den Teilen der Suburbia, die gut angebunden sind, wird die Preisspirale ebenfalls schnell nach oben gehen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tSelbstverst\u00e4rkung der Ungleichheit\t\t\t\t<\/p>\n<p>Die Metropolen werden \u00f6konomisch zerrissener Die ungleiche Verteilung der demographischen Dynamik ist Hauptursache f\u00fcr eine sich<br \/>verst\u00e4rkende soziale Polarisierung zwischen Stadt und Land, zwischen Zentrum und Peripherie, zwischen wohlhabenden und armen Quartieren. Insgesamt kann angenommen werden, dass innerhalb der St\u00e4dte die Ungleichheit eher weiter steigen wird \u2013 zu Lasten heute schon marginalisierter R\u00e4ume.<\/p>\n<p>Nur dort, wo der Wachstumsdruck au\u00dferordentlich gro\u00df ist, k\u00f6nnen solche R\u00e4ume durch \u00dcberschwappen demografischer und \u00f6konomischer Dynamik aus den wohlhabenden Bereichen wieder Anschluss finden, was aber eine weitere Verdr\u00e4ngung\u00a0der \u00c4rmeren an noch peripherere Orte zur Folge hat.<\/p>\n<p>Hamburg ist eine der polarisiertesten St\u00e4dte Deutschlands. Die Marginalisierung ganzer Stadtr\u00e4ume wird weiter vertieft werden, unterbrochen nur durch die \u201eLandnahmen\u201c der wohlhabenderen Bev\u00f6lkerungsschichten und ausgesuchten Lagen der marginalisierten Stadt.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tPolarisierung der Werte\t\t\t\t<\/p>\n<p>Das Kennzeichen der postmodernen Gesellschaft ist die Vielfalt der Lebensstile und Werte-Einstellungen, die l\u00e4ngst zu einem Nebeneinander v\u00f6llig getrennter Gruppen f\u00fchrt. In Zeiten von Filterblasen keine ungef\u00e4hrliche Tendenz: Es fehlt zunehmend der verbindende Mainstream, auf den sich alle einigen k\u00f6nnen \u2013 und damit eine Grundlage auch f\u00fcr einen \u201eCommon Sense\u201c. Schon heute gibt es in Hamburg die Tendenz von Parallelgesellschaften, die sich weder solidarisch noch einer gemeinsamen Sache verpflichtet f\u00fchlen.<\/p>\n<p>In der Stadt von morgen k\u00f6nnten sich manche Werte-Gruppen unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber stehen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tIndustrie 4.0: R\u00fcckkehr der Produktion\t\t\t\t<\/p>\n<p>Dass eine Wissensgesellschaft nicht ohne produktiven Kern auskommt, ist inzwischen Mainstream der \u00f6konomischen Diskussion. Die Digitalisierung der Produktion er\u00f6ffnet dabei ganz neue Chancen in Form der Dezentralisierung bzw. Atomisierung von Produktion. Die Fabrik der Zukunft ist ein \u00fcber viele Standorte verteiltes Netzwerk von Standorten bis hin zum Makerplace, an dem der zum \u201eProsumenten\u201c gewordene Kunde den letzten Produktionsschritt selber vollzieht. Manufakturen k\u00f6nnen mit Hilfe digital gest\u00fctzter Produktionsmethoden stadtvertr\u00e4glich produzieren und ohne gro\u00dfe Vertiebsnetze ihre Produkte absetzen.<\/p>\n<p>Hamburg ist an dieser Front vorne dabei \u2013 mit seinen neuen Makerspaces und dem Produktionsstandort Rothenburgsort. Welchen zahlenm\u00e4\u00dfigen Stellenwert die neue urbane Produktion an der gesamten Wirtschaftsleistung Deutschlands haben wird, bleibt abzuwarten.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tErsch\u00fctterung der Arbeitswelt\t\t\t\t<\/p>\n<p>Digitalisierung gibt es nicht ohne Nebenwirkungen. Die Sch\u00e4tzungen, wie viele Jobs in den kommenden zehn Jahren durch Automatisierung entfallen, gehen auseinander. Fakt ist: Roboter und Algorithmen drohen auch qualifizierte T\u00e4tigkeiten obsolet zu machen. Und auch wenn neue Jobs entstehen \u2013 die alten Qualifikationen werden kaum auf die neuen Profile passen. Wie geht eine Stadt wie Hamburg mit dem freiwerdenden Arbeitskr\u00e4fte-Potenzial um? Tr\u00e4gt der digitale Wandel zur weiteren Spaltung der Gesellschaft bei oder kann er neuen Raum f\u00fcr gemeinschaftsorientierte T\u00e4tigkeiten er\u00f6ffnen?<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tDigitalisierung von urbanen Systemen\t\t\t\t<\/p>\n<p>Die Digitalisierung erfasst die Stadt: Unter der \u00dcberschrift der \u201eSmart City\u201c haben sich viele europ\u00e4ische Kommunen aufgemacht, die digitale Aufr\u00fcstung und Vernetzung ihrer Dienste und Infrastrukturen voranzutreiben.<\/p>\n<p>Ob im Bereich der Energieversorgung (Smart Grids), des Wohnens (digitale Haussteuerung), der Verkehrssysteme (automatisierte Verkehrsleitung), des Gesundheitssystems oder der \u00f6ffentlichen Services (E-Administration): Die \u201eSmart City\u201c verspricht mehr Effizienz in der Ressourcennutzung, mehr \u00f6ffentliche Sicherheit, eine h\u00f6here Bedarfsgerechtheit der \u00f6ffentlichen Services und damit ein Plus an Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr ihre Bewohner.<\/p>\n<p>Diesem prim\u00e4r durch Unternehmen und unternehmensnahe Forschungsakteure propagierten Versprechen stehen kritische Positionen aus der Digitalcommunity und der Wissenschaft gegen\u00fcber. Die fl\u00e4chendeckende Installation von Sensoren, das weitr\u00e4umige Sammeln von Daten zur Nutzung der st\u00e4dtischen R\u00e4ume und die Vision einer auf dieser Grundlage m\u00f6glichen automatisierten Echtzeitanpassung von Systemen wie der Verkehrssteuerung oder der Energieversorgung l\u00f6sen massive Bedenken aus.<\/p>\n<p>Wer kontrolliert diese komplexen Systeme technisch und politisch? Wie verwundbar sind sie? Wem geh\u00f6ren die gesammelten Daten? Welche Kontrolle haben B\u00fcrger \u00fcber die Verwendung der Daten? Wie sehr liefern sich Kommunen dem exklusiven technischen Sachverstand der Smart-City- Anbieter aus \u2013 Unternehmen wie IBM, Cisco, Microsoft oder Google, die die Digitalisierung der Stadt l\u00e4ngst als bedeutendes Gesch\u00e4ftsfeld erkannt haben?<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tGeteilte und umweltfreundliche Mobilit\u00e4t\t\t\t\t<\/p>\n<p>Nie war das Mobilit\u00e4tsbed\u00fcrfnis der Stadtbewohner gr\u00f6\u00dfer \u2013 bei aller R\u00fcckbesinnung auf die \u201eStadt der kurzen Wege\u201c. Mobilit\u00e4t muss heute einem Erwartungsdruck gerecht werden, der sich aus der \u201ejetzt-sofort\u201c-Kultur des Internets speist: Wir haben das Warten verlernt. Die Mobilit\u00e4tsangebote der Stadt m\u00fcssen versuchen, dieser Ungeduld gerecht zu werden. UBahnen im Zweiminutentakt, Bike- und Car-Sharing an jeder Ecke der inneren Stadt, am besten alles vernetzt \u00fcber eine App buchbar: Verkehrsmittel werden vielf\u00e4ltiger und verf\u00fcgbarer.<\/p>\n<p>Dabei hat das pers\u00f6nliche Auto in mehrerer Hinsicht das Nachsehen. Es muss Platz an andere Verkehrstr\u00e4ger abgeben, es verliert zusehends seinen Wert als Statussymbol. Falls das fahrerlose Fahren jedeoch einen Durchbruch erlebt, k\u00f6nnten die Verh\u00e4ltnisse erneut auf den Kopf gestellt werden. Dann k\u00f6nnten neue Mischformen aus \u00d6PNV und MIV zu erneut steigender Beanspruchung der Stra\u00dfen f\u00fchren. Bei alledem bleibt der Zugang zu Mobilit\u00e4tsangeboten ein entscheidender sozialer Faktor.<\/p>\n<p>Einer gut ausgestatteten \u201eMobilit\u00e4ts-Zukunftsstadt\u201c wird eine \u201eMobilit\u00e4ts-Steinzeitzone\u201c gegen\u00fcber stehen, vorwiegend in den marginalisierten Gegenden der Stadt, wo sich die \u00fcberwiegend privat organisierten neuen Mobilit\u00e4tsdienste nicht rechnen. Das Gesch\u00e4ftsgebiet der Anbieter wird k\u00fcnftig die Grenze zwischen \u201ein\u201c und \u201eout\u201c markieren.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tDie selbstorganisierte Stadt\t\t\t\t<\/p>\n<p>An immer mehr Orten machen sich B\u00fcrger auf, selber Stadt zu \u201emachen\u201c. Die Bandbreite des Stadtmachens ist gro\u00df, sie reicht vom Urban Gardening \u00fcber Initiativen, in denen sich technische, \u00f6konomische und sozialpolitische Aspekte vermischen (Fab Labs, Repair Caf\u00e9s, Nachbarschaftszentren) bis hin zu veritablen Gro\u00dfprojekten wie der von Stadtaktivisten gemeinsam mit einem Schweizer Pensionsfonds betriebenen Quartiersentwicklung f\u00fcr den Holzmarkt in Berlin.<\/p>\n<p>Mit Hilfe des Crowdfundings und Crowdinvestings wird das Stadtmachen von einem Nischenph\u00e4nomen allm\u00e4hlich zu einer ernstzunehmenden Gr\u00f6\u00dfe in der Stadtentwicklung. In Zukunft werden neben den bekannten Playern immer mehr lokale, zivilgesellschaftlich gegr\u00fcndete \u201eInvestoren\u201c wie B\u00fcrgergenossenschaften oder -stiftungen um die Fl\u00e4chen der Stadt buhlen. Es w\u00e4re gut, wenn die Immobilienwirtschaft diese neuen Akteure nicht als Konkurrenz, sondern als Partner verst\u00fcnde. Denn gemeinsam kann man die Synergie entfalten, die eine nachhaltige Stadtentwicklung heute braucht: \u00f6konomische Kraft und lokales Wissen zu vereinen.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\tZwischen De- und Re-Globalisierung\t\t\t\t<\/p>\n<p>Lange galt das Paradigma einer fortschreitenden \u00f6konomischen Globalisierung. Die politischen Ersch\u00fctterungen der vergangenen Monate und Jahre hinterfragen dieses Paradigma und lassen eine Phase der partiellen De-Globalisierung erwarten, mit m\u00f6glicherweise gravierenden Folgen auf Handelsstr\u00f6me und Wertsch\u00f6pfungsketten. Gerade eine Handels- und Hafenstadt wie Hamburg k\u00f6nnte enorm unter einer solchen Politik leiden.<\/p>\n<p>Schon heute scheint der Hafen anhaltend zu stagnieren. Allerdings lassen sich viele globalisierte Strukturen nicht einfach zur\u00fcckdrehen. W\u00e4hrend die Politik neue Barrieren entstehen l\u00e4sst, er\u00f6ffnen sich anderswo neue Br\u00fccken. Ob Hamburg dabei weiterhin eine solch herausragende Rolle als Handelsstadt spielen wird, ist zumindest ungesichert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Trends und Ph\u00e4nomene werden Hamburg bewegen? Demographische Dynamik zwischen Wachstum und Schrumpfung Die Metropolen werden weiter wachsen. Noch vor einigen Jahren galt es als ausgemacht, das Deutschlands Bev\u00f6lkerung ab 2040schrumpfen w\u00fcrde \u2013 im l\u00e4ndlichen Raum st\u00e4rker als in den St\u00e4dten. 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